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Life of Saint John of Damascus in German |
JOHANNES von Damaskos, Mönch und Theologe, * 650 in Damaskus, + um 750 im Kloster Mar Saba bei Jerusalem. - »Eine Augenzeugen-Vita hat es von J. offenbar nie gegeben; wenigstens hat sich keine Spur davon erhalten« (J. M. Hoeck, S. 7). Alle sieben Viten, die uns überkommen sind, haben weitgehend legendären Charakter. Auffallend ist, daß die älteste uns bewahrte griechische »Lebensgeschichte« des J. erst um die Mitte des 10. Jahrhunderts als Bearbeitung einer offenbar recht einfach geschriebenen arabischen Vita (PG 94, 433 B) entstanden ist; dies ist um so merkwürdiger, als J. jener Theologe war, der in seinen drei Reden zur Verteidigung des Bilderkults (und vielleicht noch anderen ähnlichen Streitschriften [vgl. PG 94, 476. 505] - drei uns erhaltene laufen zu Unrecht unter seinem Namen [CPG 8114: die längere Version aus den Jahren 768-775; CPG 8115; CPG 8121: aus dem Jahre 770]) die Transformation des Erscheinungsbildes der orthodoxen Kirche im Zeitalter des sogenannten Ikonoklasmus (8./9. Jahrhundert) entscheidend mitgeprägt hat, und diese Tatsache, wie z. B. die Vita des Stephanos des Jüngeren (PG 100, 1067-1186) aus dem Jahre 806 zeigt, der Partei der Bilderverehrer durchaus bewußt war und blieb. - J. stammt aus einer christlichen arabischen oder arabisierten Familie. Da er Spielgefährte des späteren Kalifen Yazid war, der zwischen 642 und 647 geboren ist, dürfte er ungefähr gleichaltrig, vielleicht etwas jünger gewesen sein. Dem entspricht die Überlieferung, daß er im hohen Alter, angeblich mit 104 Jahren, gestorben sei, sofern dies sicher vor dem Jahre 754 geschehen ist, als in Hiereia bei Chalkedon jene ikonoklastische Synode tagte, die sich selbst als 7. ökumenisches Konzil bezeichnet hatte; ihre Akten nennen J. als Schriftsteller, Exeget und Lehrer. - In jungen Jahren soll er Mitarbeiter seines Vaters Sargun ibn Mansur gewesen sein, dem die Finanzen des Kalifats anvertraut waren. Seine Karriere erfuhr offenbar durch die mit Kalif Abd el Malek (685-705) einsetzende Diskriminierung der Christen, insbesondere durch ihre Verdrängung aus öffentlichen Funktionen einen Bruch. Noch vor dem Jahre 700 trat J. zusammen mit seinem Adoptivbruder Kosmas von Majuma in das Kloster Mar Saba bei Jerusalem ein, wo er sich auf Grund seiner Wirkungsgeschichte bei der Nachwelt einen Namen als Gelehrter, Theologe, Prediger und Dichter erwarb. Im allgemein bildungsfeindlichen Milieu des palästinensischen Mönchtums blieb er, wie oben schon angedeutet, unbeachtet. Durch den Patriarchen Johannes V. von Jerusalem (706-735) wurde er zum Priester geweiht und so mit entsprechenden Funktionen, insbesondere mit Predigt und Lehre beauftragt. - Nachdem sich im Spätsommer 726 Kaiser Leon III. (717-741) erstmals in Reden gegen den Bilderkult ausgesprochen hatte, von denen nichts mehr, kein einziges Zitat, im Wortlaut erhalten ist, und in einem am 17. Januar 730 abgehaltenen Silention, d. h. Konsistorium, den Patriarchen Germanos von Konstantinopel (seit 715 Patriarch, gestorben 733) abgesetzt hatte, weil dieser sich weigerte, in einem Glaubensbekenntnis gegen den Bilderkult Stellung zu nehmen, kam es zu der Erscheinung, die als byzantinischer Ikonoklasmus in die Geschichte eingehen sollte und mit einer kurzen Unterbrechung (775-815) bis zur sogenannten Wiederherstellung der Orthodoxie (843) die offizielle Gestalt des Christentums im byzantinischen Reiche darstellte. Die Entwicklung einer Theologie der Ikone, die für die Orthodoxie kennzeichnend werden sollte, verdankt, sofern die Quellen ein Urteil erlauben, die entscheidenden Impulse den drei Reden des J. »wider die Verleumder der Bilder« (CPG 8045). Umstritten ist, wann J. sie verfaßt hat und so außerhalb des Reiches (ebenso wie im 89. Kapitel der sogenannten »Expositio fidei« [CPG 8043; Näheres vgl. unten]) eine theologische Argumentation entwickelte, die von den Bilderverehrern im Reich aufgegriffen wurde. Früher nahm man an, er habe die drei Reden in den Jahren 726-730 verfaßt; der Herausgeber, B. Kotter, rückt die erste Rede nahe an den Januar 730 heran, die zweite sei »kurz nach der ersten anzusetzen, vielleicht noch 730 oder bald darauf«, die dritte erlaube keine Datierung (Schriften [vgl. Werke], III, S. 7). Andere setzen zumindest die letztere (D. Stein, Beginn, 204), andere alle drei Reden (P. Speck, Artabasdos, 179-243) nach 741 an. - Als Theologe ist J. bewußt jemand, der sich in die Tradition einordnen will: »Nichts Eigenes« ist die Formel, mit der er seine Arbeit zu kennzeichnen sucht. Daß eine solche Perspektive kritischen und damit selbständigen Umgang mit den Quellen nicht ausschließt, zeigen alle seine theologischen Schriften, vor allem sein Hauptwerk, »Quelle der Erkenntnis« (Pege Gnoseos) genannt, in der zum ersten Mal in der Geschichte des christlichen Glaubens eine systematisch aufgebaute Summe der Dogmatik geschaffen wurde. Sie besteht aus drei Teilen: (1) aus einer umfangreichen Definitionensammlung, allgemein »Dialectica« genannt (CPG 8041), in der sich neben byzantinischer Schultradition und aus kontroverstheologischem Bedürfnis seit dem 6. Jahrhundert entstandene »Capita philosophica« vor allem die Isagoge des Porphyrios niedergeschlagen hat, (2) aus einer »Ketzergeschichte«, d. h. einer Aufzählung aller Häresien (CPG 8044), und (3) aus einer umfassenden Darstellung des kirchlichen Glaubensgutes, der sogenannten »Expositio fidei« (CPG 8044), im Titel kdosiV #krib2rqodozou pistewV genannt, in der die rationale Unterbauung des Glaubensinhalts im Vordergrund steht. Eine Art Entwurf der soeben zitierten terminologischen, in diesem Sinn philosophischen Propädeutik bildet die für einen Bischof Johannes von Laodikeia geschriebene »Institutio elementaris« (CPG 8040). In kleineren apologetischen Traktaten wendet sich J. gegen zu seiner Zeit noch oder wieder aktuelle christologische Ketzereien wie z.B. den Nestorianismus (CPG 8053, 8054), den Monophysitismus (CPG 8047, 8049, 8051) und den Monotheletismus (CPG 8052). Zu seinen kleineren Streitschriften gehört auch ein Dialog zwischen einem Orthodoxen und einem Manichäer (CPG 8048), während es bei zwei Opuscula gegen den Islam umstritten, besser unwahrscheinlich ist, daß sie von J. stammen (CPG 8075: hrsg. von B. Kotter, Schriften, IV, 427-438; CPG 8076). Ein umfangreiches Florilegium, die sogenannte »Sacra Parallela«, eigentlich genannt (CPG 8056), zeigt in drei Büchern die umfangreiche Kenntnis der christlichen Überlieferung (1) von Gott und seiner Erkenntnis, (2) vom Menschen und der Schöpfung. (3) von Ethik und Spiritualität, die J. besaß. - Die liturgischen Handschriften haben nicht wenige Homilien unter dem Namen des J. bewahrt; unter den echten ist vor allem eine Trilogie auf Mariens Koimesis zu nennen (CPG 8061-8063), deren Einfluß auf die Entwicklung des Gedankens von Mariae Himmelfahrt im lateinischen Westen sich u. a. durch die Aufnahme in die Collectio von Reichenau (Codex Augiensis 80) belegen läßt. In diesen Predigten herrscht ebenso wie in des Johannes Panegyriken auf Heilige, wie z. B. auf Barbara (CPG 8065), Anastasia (CPG 8068) oder Johannes Chrysostomos (CPG 8064), eine überschwenglich barocke Enkomiastik vor. - Umstritten ist, ob der Roman »Barlaam und Joasaph« (CPG 8120) ein Werk des Damaskeners ist; wie die »Clauis« von M. Geerard zeigt, trifft das Schicksal, zu den Dubia zu gehören, nicht wenige Werke, die handschriftlich unter dem Namen des J. laufen (CPG 8075-8100). Der genannte Roman hätte zumindest hier und nicht unter den Spuria (CPG 8110-8127) seinen Platz verdient. Schließlich muß erwähnt werden, daß J. »ein begabter Dichter« war, »der sowohl Metrik wie Rhythmik beherrschte« (J. M. Hoeck); die liturgische Dichtung und Musik verdankt ihm viel (CPG 8070).
Werke: a. Dogmatische Werke: Hauptwerk: Quelle der Erkenntnis (Phg2 gnwsewV), bestehend aus drei Teilen: (1) Dialectica: hrsg. von B. Kotter, Die Schriften des J., I (Patristische Texte und Studien [= PTS) 7), Berlin 1969, 51-146 (CPG 8041); (2) De haeresibus: hrsg. von dems., a.a.O., IV (PTS 22), Berlin 1981, 19-67; (3) Expositio fidei: hrsg. von dems., a.a.O., II (PTS 12), Berlin 1973. - Entwurf einer Propädeutik: Institutio elementaris: hrsg. von dems., a.a.O., I (PTS 7), Berlin 1969, 20-26. - Kleinere apologet.-dogm. Traktate: Contra Jacobitas: hrsg. von dems., a.a.O., IV (PTS 22), Berlin 1981, 109-153 (CPG 8047); De duabus in Christo uoluntatibus: ebd., 173-231 (CPG 8052); De fide contra Nestorianos: ebd., 238-253 (CPG 8054); Contra Nestorianos: ebd., 263-288 (CPG 8053); Epistola de hymno trishagio: ebd., 304-332 (CPG 8049); De natura composita contra Acephalos: ebd., 409-417 (CPG 8051). - Dialoge: Contra Manichaeos: ebd., 351-398; in seiner Authentizität umstritten und handschr. nicht dem J. zugewiesen, wohl von B. Kotter unter seinem Namen veröff.: Disputatio Christiani et Saraceni: ebd., 427-438 (CPG 8075). - Reden: Contra imaginum calumniatores orationes tres: hrsg. von dems., a.a.O., III (PTS 17), Berlin 1975. b. Florileg: Sacra Parallela: zu den versch. Rezensionen und teilweise vorliegenden Editionen vgl. bes. M. Richard, Florileges Damascéniens, in: Dictionnaire de Spiritualité ascétique et mystique V (1964, Paris), 476-486 (CPG 8056). c. Predigten: Homilia in ficum arefactam et in parabolam uineae: hrsg. von B. Kotter, a.a.O., V (PTS 29), Berlin 1988, 102-110 (CPG 8058); In sabbatum sanctum: ebd., 121-146 (CPG 8059); Passio s. Artemii martyris: ebd., 202-245 (CPG 8082); Laudatio s. Barbarae: ebd., 256-278 (CPG 8065); Laudatio s. Anastasiae martyris: ebd., 289-303 (CPG 8068); Laudatio s. Iohannis Chrysostomi: ebd., 359-370 (CPG 8064); Homilia in natiuitatem domini: ebd., 324-347 (CPG 8067); In transfigurationem domini: ebd., 436-459 (CPG 8057); Trilogie: In dormitionem s. dei genitricis Mariae I-III: ebd., 483-500, 516-540, 548-555 (CPG 8061-8063). - d. Liturgische Dichtung: Zu den jambischen sowie anderen Kanones, den Idiomela und Stichera vgl. die in CPG 8070 genannte Literatur. - e. Roman: Barlaam et Ioasaph: der Text aus PG 96, 860-1240 liegt zugrunde bei G. R. Woodward/H. Mattingly, St. John Damascene: Barlaam and Joasaph. Introduction by D. M. Lang (The Loeb Classical Library), London-Cambridge, Mass. 1967 (CPG 8120).
Lit.: H.-G. Beck, Kirche und theol. Lit. im byzant. Reich (Byzant. Handb. im Rahmen des Handb.s der Altertumswissenschaft, Zweiter Teil, Erster Band), München 1959, 476-486; - M. Geerdard, Clauis Patrum Graecorum, III, Turnhout 1979 (= CPG); - J. M. Hoeck, Stand und Ausgaben der Damaskenos-Forschung, in: Orientalia Christiana Periodica 17 (1951), 5-60; - A. Kallis, Handapparat zum J. D.-Studium, in: Ostkirchl. Studien 16 (1967), 200-213. - Schrifttum in Auswahl a.) zu Leben und Werk: M. Jugie, La vie de S. J. D., in: ?chos d'Orient 23 (1924), 137-161; - Ders., Une nouvelle vie et un nouvel écrit de S. J. D., in: ebd. 28 (1929), 35-41; - N. Nasrallah, Saint Jean de Damas. Son époque - sa vie - son œuvre, Harissa 1950; - S. Vailhé, Date de la mort de S. J. D., in: ?chos d'Orient 9 (1906), 28-30 (am 4.12.749; doch vgl. R. P. Blake, Deux lacunes comblées dans la Passio XX monachorum Sabaitarum, in: Analecta Bollandiana 68 (1950), 27-43). - b.) Zur Überlieferung und Theologie: J. Bilz, Die Trinitätslehre des hl. J. v. D. (Forschungen zur christl. Literatur- und Dogmengesch. 9,3), Paderborn 1909; - C. Chevalier, La Mariologie de Saint J. D. (Orientalia Christiana Analecta, 109), Roma 1936; - F. Dölger, Der griech. Barlaam-Roman ein Werk des hl. J. v. D. (Studia Patristica et Byzantina, 1. Heft), Ettal 1953; - M. Gordillo, Damascenica (Orientalia Christiana, 8), Roma 1926; - J. Grégoire, La relation éternelle de l'Esprit au Fils d'après les écrits de Jean de Damas, in: Revue d'histoire ecclésiastique 64 (1969), 713-755; - A. Kallis, Der menschl. Wille in seinem Grund und Ausdruck nach der Lehre des J. D., Münster 1965; - B. Kotter, Die Überlieferung der Pege Gnoseos des hl. J. v. D. (Studia Patristica et Byzantina, 5. Heft), Ettal 1959; - A.Th. Khoury, Les théologiens byzantins et l'Islam, Louvain/Paris 19692; - P. Khoury, J. D. et l'Islam, in: Proche-Orient chrétien 7 (1957), 44-63; 8 (1958), 313-359; - J. Langen, J. v. D. Eine patrist. Monographie, Gotha 1879; - H. Menges, Die Bilderlehre des hl. J. v. D., Münster 1938; - G. Richter, die Dialektik des J. v. D. Eine Unters. des Textes nach seinen Quellen und seiner Bedeutung (Studia Patristica et Byzantina, 10. Heft), Ettal 1964; - K. Rozemond, La christologie de saint J. D. (Studia Patristica et byzantina, 8. Heft), Ettal 1959; - D. J. Sahas, J. of D. on Islam. The »Heresy of the Ishmaelites«, Leiden 1972; - B. Schultze, Das Beten Jesu nach J. v. D., in: Wegzeichen (Das östl. Christentum NF 25), Würzburg 1971, 101-130; - S. Studer, Die theol. Arbeitsweise des J. v. D. (Studia Patristica et byzantina, 2. Heft), Ettal 1956. - 3. Bei der Darstellung des byzant. Ikonoklasmus vorausgesetzte Literatur: St. Gero, Byzantine Iconoclasm during the reign of Leo III. With particular attention to the oriental sources (CSCO, 346. Subsidia 41), Louvain 1973; - Ders., Byzantine Iconoclasm during the reign of constantine V (CSCO, 384), Louvain 1977; - M.-F. Rouan, Une lecture »iconoclaste« de la vie d'Etienne le Jeune, in: Travaux et Mémoires VIII (1981), 414-436; - Ch. Schönborn, Die Christus-Ikone. Eine theol. Hinführung, Schaffhausen 1984; - P. Schreiber, Der byzant. Bilderstreit: Krit. Analyse der zeitgen. Meinungen und das Urteil der Nachwelt bis heute, in: Bisanzio, Roma e l'Italia nell'alto medioevo, 3-9 aprile 1986 (Settimane di Studio del Centro Italiano di Studi sull'alto medioevo, XXXIV), Spoleto 1988, 319-407; - P. Speck, Artabasdos, der rechtgläubige Vorkämpfer der göttl. Lehren. Untersuchungen zur Revolte des Artabasdos und ihrer Darst. in der byzant. Historiographie, Bonn 1981; - D. Stein, Der Beginn des byzant. Bildertreits und seine Entwicklung bis in die 40er Jahre des 8. Jh.s, München 1980.
Karl-Heinz Uthemann
Letzte Änderung: 09.06.1998